Burg & Doppelwendeltreppe

Doppelwendeltreppe
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Burg & Doppelwendeltreppe
Hofgasse 15
8010 Graz

Trennung und Versöhnung. Auch die Architektur eines Amtssitzes kann allemal Überraschungen bergen. Die Burg in Graz ist Sitz der Landesregierung und ein echtes Juwel. Über Jahrhunderte baulich verändert bietet sie interessante Elemente aus Gotik, Renaissance und Biedermeier. Besonders spannend die Doppelwendeltreppe, die zunächst wie eine optische Täuschung anmutet. Die „Versöhnungsstiege“ besteht aus zwei gegenläufigen Treppen, die auf jedem Stockwerk kurz verschmelzen, sich trennen und wieder zusammenkommen.

Die Jahrhunderte haben vieles verändert an der ab 1438 errichteten Residenz der Habsburger in Graz, dem heutigen Amtssitz des Landeshauptmanns der Steiermark. Trakte wurden neu hinzugefügt, andere zerstört. Doch findet man noch heute zahlreiche beeindruckende Zeugnisse vergangener Zeit. Vom Biedermeier über Renaissance bis zurück in die Gotik. Aus dieser Periode stammt die berühmte Doppelwendeltreppe. Und diese Inschriften – AEIOU.

AEIOU ließ Kaiser Friedrich III. auf sein Eigentum und auf alle Gebäude schreiben, die er errichten ließ. Über den Sinn dieser Vokalfolge rätseln Historiker nach wie vor. Doch erleichtert sie die Bauforschung. So ist auch an einigen Fassaden der Grazer Burg die Inschrift AEIOU zu entdecken. Friedrich hatte sich 1438 als Herzog der Steiermark zum Neubau einer Residenz in Graz entschlossen. Zugleich errichtete er die Hof- und heutige Domkirche zum heiligen Ägydius, ließ sie sogar baulich mit seinem - heute nicht mehr erhaltenen - Wohntrakt in der Burg verbinden.

Friedrichs Sohn, Kaiser Maximilian I., baute weiter an der Grazer Burg. Und hinterließ hier der Nachwelt eine der bedeutendsten gotischen Treppenanlagen Europas. Eine Doppelwendeltreppe - zwei gegenläufige Treppen, die in jedem Stockwerk für ein paar Stufen verschmelzen, sich wieder trennen, wieder verbinden... Das 1499 geschaffene Baukunstwerk wird oft als Symbol für die Ewigkeit gedeutet. Die Grazer nennen die Treppe "Versöhnungsstiege". Getrennte Wege führen wieder zusammen.

Ab 1564 residierte in der Grazer Burg Erzherzog Karl II. Von hier aus herrschte er über Innerösterreich, einen Länderkomplex, der bis Istrien, Triest und Görz reichte. Die Hofhaltung Karls und seiner Frau Maria von Bayern, die Förderung der Kunst und die rege Bautätigkeit bedeuteten für Graz eine Blütezeit. Auch die Burg wurde ausgebaut. Außer dem Karlstrakt entstand der Registraturtrakt mit Arkadengängen und Sgraffito-Dekorationen im Stil der norditalienischen Renaissance. Auf einer Grünfläche vor dem Gebäude erinnern seit 1959 mehrere Büsten an bedeutende SteiererInnen. Unter ihnen der Barockkomponist Johann Josef Fux oder der Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach, die Erfinder Viktor Kaplan (Turbine) und August Musger (Zeitlupe), Dichter und Gelehrte. Die sogenannte Ehrengalerie könnte noch um viele Köpfe erweitert werden ...

+++ Übrigens +++
Die Habsburger nannten ihre Residenzen stets "Hofburg". Da es in Graz schon eine Burg gab, wurde diese kurzerhand in "Schloss" umbenannt. So erhielt der Schlossberg seinen Namen.

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Öffnungszeiten
auf Grund von Sanierungsmaßnahmen ist das Betreten der Treppe bis 31.10.2016 nur eingeschränkt möglich; Fr - So und Ft
freier Eintritt

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