Stadtpfarrkirche

Mitten in der Herrengasse überragt diese Kirche alle Gebäude.

Es ist bei Gott kein herkömmlicher Kirchenbesuch, wenn man die Stadtpfarrkirche in Graz betritt. Der sakrale Ort hat eine interessante Geschichte, deren Verlauf sich in ihren aus unterschiedlichen Epochen stammenden Elementen aus Gotik, Barock und Neuzeit widerspiegelt. Und wer sind die beiden bekannten Gesichter auf den Glasfenstern hinter dem Altar? Lassen Sie sich in dieser geschichtsträchtigen Kirche von einer unerwarteten Darstellung der Peiniger Christi überraschen.

Innenansicht der Stadtpfarrkirche in Graz mit Kirchenbänken. | © Graz Tourismus - Harry Schiffer

Wissenswertes

Die Stadtpfarrkirche befindet sich in der Herrengasse 23 im Herzen der Grazer Altstadt. Durch ihre zentrale Lage lässt sie sich ideal mit einem Spaziergang durch das UNESCO-Weltkulturerbe Graz verbinden. Sehenswürdigkeiten wie der Hauptplatz, der Landhaushof oder das Mausoleum sind nur wenige Gehminuten entfernt.

Für die Besichtigung der Kirche sollten Sie etwa 20 bis 30 Minuten einplanen. Wenn Sie zusätzlich ein Orgelkonzert besuchen möchten, lohnt sich ein längerer Aufenthalt.

Ja, die Stadtpfarrkirche ist tagsüber geöffnet und kann kostenlos besichtigt werden. Als aktiver Kirchenraum wird sie regelmäßig für Gottesdienste, Konzerte und weitere Veranstaltungen genutzt. Besucherinnen und Besucher werden gebeten, auf religiöse Feiern Rücksicht zu nehmen.

Obwohl sie direkt an der belebten Herrengasse liegt, bietet die Stadtpfarrkirche eine ruhige Atmosphäre zum Innehalten. Das offene Kirchenportal lädt Einheimische und Gäste gleichermaßen ein, dem Trubel der Stadt für einen Moment zu entkommen und die besondere Stimmung des historischen Kirchenraums zu genießen.

Die Glasfenster im Chorraum zählen zu den außergewöhnlichsten Kunstwerken in Graz. Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vom Künstler Albert Birkle gestaltet und zeigen neben biblischen Szenen auch die Diktatoren Hitler und Mussolini als Peiniger Christi. Diese ungewöhnliche Darstellung sorgte bereits in den 1950er-Jahren für großes Aufsehen und macht die Stadtpfarrkirche zu einem besonderen Ort der Erinnerungskultur.

Die Orgel der Grazer Stadtpfarrkirche, 1970 vom Vorarlberger Meister Rieger geschaffen, zählt zu den bedeutendsten Kirchenorgeln der Steiermark und begeistert mit ihrem beeindruckenden Klang. Regelmäßig finden hier Gottesdienste mit Orgelmusik sowie Konzerte statt, bei denen Besucherinnen und Besucher die besondere Akustik des historischen Kirchenraums erleben können. Für Musikliebhaberinnen und Musikliebhaber lohnt es sich daher, den Besuch der Stadtpfarrkirche mit einem Orgelkonzert zu verbinden. Konzert-Termine finden Sie hier.

 

Details

Es ist bei Gott kein herkömmlicher Kirchenbesuch, wenn man die Stadtpfarrkirche in Graz betritt. Der sakrale Ort hat eine interessante Geschichte, deren Verlauf sich in ihren aus unterschiedlichen Epochen stammenden Elementen aus Gotik, Barock und Neuzeit widerspiegelt. Und wer sind die beiden bekannten Gesichter auf den Glasfenstern hinter dem Altar? Lassen Sie sich in dieser geschichtsträchtigen Kirche von einer unerwarteten Darstellung der Peiniger Christi überraschen.

Es war im Jahre 1440, als Kaiser Friedrich III. in das von ihm aufgelöste Judenviertel eine kleine Fronleichnamskapelle bauen ließ. Die Dominikaner, denen Friedrich die Kapelle übertrug, erweiterten sie um eine dreischiffige gotische Hallenkirche mit einem schmalen langen Chorraum. Die gotische Architektur und der im Süden angrenzende teilweise gotisch gewölbte Kreuzganghof erinnern noch heute an die Zeit der Dominikaner. Doch sie selbst mussten ihr Kloster verlassen. 1585 wurde die Kirche auf Befehl Erzherzog Karl II. zur Stadtpfarrkirche umfunktioniert. Die alte Stadtpfarrkirche, der heutige Dom, gehörte ab dieser Zeit den Jesuiten.

Die prächtigen Altäre aus der Barockzeit wurden im 19. Jahrhundert durch neogotische ersetzt. Erhalten geblieben ist die barocke Johannes-Nepomuk-Kapelle. Von Josef Hueber über ovalem Grundriss errichtet, birgt sie heute auch das ehemalige Hochaltarbild "Mariae Himmelfahrt", das dem venezianischen Maler Tintoretto zugeschrieben wird.

Ein Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg zerstörte unter anderem die gotischen Glasfenster im Chorraum. Albert Birkle, ein Salzburger Künstler, wurde mit der Neugestaltung beauftragt. Hauptthema ist das Leiden Jesu - aber auch die Auferstehung. Die Orgel der Stadtpfarrkirche zählt zu den besten im Lande und wurde 1970 von der Vorarlberger Orgelbaufirma Rieger gebaut. Zu hören bei Gottesdiensten, Orgelkonzerten und im Sommer als "Mittagsklänge" zum Innehalten im Trubel der Stadt.

Um auf den Turm zurückzukommen: Was so mächtig wirkt, ist bloß ein hölzerner Dachreiter, reich mit Stuck und einem prächtigen Kupferhelm versehen. Der Blickfang in der Herrengasse entstand um 1780 nach Plänen von Joseph Stengg.

Übrigens: Die neuen Glasfenster von Albert Birkle sorgten in den 50-er Jahren für Schlagzeilen. Aufsehenerregend: die Darstellung von Hitler und Mussolini. Birkle, dessen Kunst im Dritten Reich als entartet galt, hat die beiden Diktatoren an die Seite der Peiniger Christi gestellt.

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Herrengasse 23, 8010 Graz