Weihnachts-Heimweh

Advent in Graz 2018

Advent zuhause in Graz

Das ganze Jahr sehnen wir uns nach Palmen, Sonne, Wärme und Meer – zumindest bei mir ist das so! Jedoch sobald die Tage kürzer und kälter werden, spätestens wenn in den Geschäften die ersten Christbaumkugeln und Weihnachtsdeko eingeräumt werden, sehne ich mich nach zuhause. Aber „zuhause“, wo ist das eigentlich? Da werden Erinnerungen wach, an die Vorweihnachtszeit mit den Eltern und Schwestern, an gemütliche Abende und die Weihnachtsgeschichten von Peter Rosegger.  Und da ist er wieder, dieser Duft frisch gebackener Kekse, der durch’s ganze Haus zog und unwiderstehlich war. Wo sind sie nur diesmal versteckt? Wie immer haben wir sie gefunden, im Elternschlafzimmer (!!)– ich schwöre, so gute Kekse hat es nie wieder gegeben!

Aber Schluss mit dem Träumen! Woher kommt dieser Duft? Ich schlendere durch die vorweihnachtliche Grazer Altstadt und lasse mich treiben – von einem Christkindlmarkt zum anderen. Hier gibt’s mittlerweile fast keinen schönen Platz mehr – und sei er noch so versteckt – der nicht in weihnachtlichem Glanz erstrahlt und zum bummeln einlädt. Zahlreiche Weihnachtsmärkte sind über die Innenstadt verteilt, aber alle erreicht man gut zu Fuß oder man steigt einfach in den Adventzug ein, einen kleinen, freundlichen Bummelzug, oder in die Schlossbergbahn um gemütlich zum ganz besonderen „Aufsteirern“-Weihnachtsmarkt oben am Schlossberg zu gondeln. 

Jeder der Grazer Adventmärkte hat seine besondere Atmosphäre und seinen eigenen Schwerpunkt: Am Hauptplatz, direkt vor dem bunten Riesen-Adventkalender auf der Rathaus-Fassade und dem mit 25.000 Lichtern geschmückten Christbaum, erfreuen traditionelles Kunsthandwerk und allerlei Genüsse für Leib und Seele das Herz des Besuchers. Der Advent-Treff am Eisernen Tor steht ganz im Zeichen der Wohltätigkeit, während am Mehlplatz, am Färberplatz und im Joanneumsviertel  Künstler und Kunsthandwerker ihre Werke anbieten. Am Glockenspielplatz lautet das Motto „Steiermark“ und nicht weit von dort, am Tummelplatz „Buntes aus aller Welt“.  Ein Bummel durchs romantische Franziskanerviertel mit dem Altgrazer Christkindlmarkt führt direkt zum Kinderadvent in der Kleinen Neutorgasse. Hier leuchten alle Kinderaugen beim Anblick von Karussell und Nostalgie-Riesenrad. Die aktiveren und meistens ein bisserl älteren unter dem Nachwuchs begeistern sich mehr für die Kinder-Winterwelt mit Eislaufplatz am Karmeliterplatz

Weiter geht’s zur Eiskrippe in den Landhaushof, wo nicht nur die Augen der Kleinen sondern auch der Großen erstrahlen. Schon toll, welch märchenhaftes Kunstwerk Kimmo Frosti (nomen est omen!) und sein Team in den romantischen Renaissance-Landhaushof zaubern. Sage und schreibe 35 Tonnen kristallklares Eis werden hier alljährlich verarbeitet. Damit ist sie nicht nur weltweit die erste Eiskrippe sondern immer noch die einzige in dieser Größe.

Langsam wird’s frostig. Nein, das liegt nicht an der Eiskrippe und da kann weder Punsch noch Glühwein helfen. Es gäbe ja noch so viel zu sehen, aber was ich auf keinen Fall versäumen möchte weil es sehr außergewöhnlich klingt, ist das Büro für Weihnachtslieder. Und ja, es ist tatsächlich einzigartig:  Hier findet man Weihnachtslieder und Instrumentalnoten, Geschichten, Gedichte, Hirten- und Krippenspiele, ältere und neuere alpenländische Volksmusik, aber auch fremdsprachige Lieder, Spirituals und Popsongs und vieles mehr. Kurz gesagt, alle, die wieder singen möchten, treffen sich hier und oft wird, wie bei meinem letzten Besuch, recht unerwartet „Oh Tannenbaum“ oder „Es wird scho glei dumpa“ angestimmt. Wem wird’s da nicht warm ums Herz? … und schon sind sie wieder da, die Erinnerungen an die heimlich stibitzten Kekse, den Heiligen Abend, den glitzernden Christbaum, die neuen Ski … und man fühlt sich ganz einfach zuhause – zuhause im Advent in Graz!